sprachify.de https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/ Tue, 18 Aug 2026 20:59:34 +0000 de-DE hourly 1 Schnuller - Ja oder Nein? https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/schnuller-ja-oder-nein/ https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/schnuller-ja-oder-nein/#comments Sat, 13 Apr 2024 13:52:00 +0000 Schnuller https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/schnuller-ja-oder-nein/ Weiterlesen

]]>
In dieser Folge widme ich mich dem umstrittenen Thema des Schnullers. Als Sprachtherapeutin, Diplom-Pädagogin und Mama betrachte ich die vielschichtigen Aspekte dieser Entscheidung und wie sie die Sprachentwicklung von Kindern beeinflussen kann. Wir erkunden die verschiedenen Gründe, warum Eltern sich für oder gegen einen Schnuller entscheiden, und betrachten die unterschiedlichen Schnullerformen und mögliche Auswirkungen auf die Sprachentwicklung. Ich gebe Tipps für den Umgang mit dem Schnuller, sowie Wege, ihn sanft abzugewöhnen. Diese Folge bietet eine einfühlsame Betrachtung des Themas, um Eltern zu unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen und eine gesunde Sprachentwicklung ihrer Kinder zu fördern. Ich habe die Folge bewusst so gestaltet, dass es nicht mehr als 10 Minuten Hörzeit sind, damit du sie einfach jederzeit - auch zwischendurch - hören kannst.


Kleinkind mit Schnuller im Mund sitz auf einer Bank im Freien

Wer lieber liest 😁👇🏼 hier der Text zum Podcast:

Was viele Eltern beschäftigt und oft zu Diskussionen führt:

der Schnuller. 

Doch anstatt in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken, möchte ich mit euch gemeinsam die vielschichtigen Aspekte dieses Themas erkunden. 

Und ich möchte dieses Thema für unterschiedliche Altersgruppen beleuchten. Kleine Babys, Kleinkinder und sogar Vorschulkinder. 

Tatsächlich finde ich es schade, dass dieses Thema teilweise zu Streitigkeiten führt, 

denn letztlich gibt es nicht DIE EINE richtige oder falsche Antwort hierzu

Vielmehr kommt es auf dich als Mama oder Papa und auf dein Baby oder Kind an. 

Es gibt so viele Variablen, die die Entscheidung für oder gegen einen Schnuller beeinflussen! Und es gibt dann genauso viele Variablen, die für oder gegen bestimmte Sorten bzw. Formen des Schnullers sprechen. 

Wenn du eine Mama bist, sie ihr Baby stillt, möchtest du vielleicht eine Möglichkeit schaffen, dein Kind auch unabhängig von deiner Brust über das Saugbedürfnis des Kindes beruhigen zu können. Denn genau das tut der Schnuller. Er ist ein Beruhigungssauger. Es kann also sein, dass du deinem Kind einen Schnuller anbietest, damit es darüber ein Bedürfnis stillen kann. Das Saugbedürfnis. Denn das hat jedes Baby. 

Übrigens, auch ältere Kinder haben teilweise bis zum Grundschulalter immer mal wieder ein Saugbedürfnis. Dazu gibt es am Ende dann noch einmal mehr Informationen. 

Manche Babys finden auch sehr schnell ihren eigenen Daumen, 

um daran zu lutschen. Wenn dein Baby sich von alleine das Daumenlutschen angewöhnt, kann es mit der Abgewöhnung später möglicherweise schwieriger werden, als mit dem Schnuller. Denn der Schnuller ist irgendwann weg - der Daumen nie. 

Bieten Eltern ihrem Baby einen Schnuller als Beruhigungssauger an, kommt es manchmal dazu, dass dieser vom Kind direkt wieder ausgespuckt wird. Manche Kinder brauchen mehrere Tage, um sich an einen Schnuller zu gewöhnen. Ja, du gewöhnst deinem Kind also den Schnuller bewusst an. Deshalb ist es auch so wichtig, dass du dich damit auseinandergesetzt hast und bewusst dafür entschieden hast. Natürlich gibt es auch Kinder, die einen Schnuller sofort annehmen. 

Spuckt dein Kind den Schnuller in den ersten Tagen aber immer wieder aus, kannst du ihn immer mal wieder behutsam anbieten. Behutsam heißt hier auch, dass du beobachtest, wie dein Kind auf den Schnuller reagiert. Beginnt es z.b. stark zu würgen, lässt du den Schnuller weg oder findest eine andere Schnullerform für dein Kind. Respektiere seine Bedürfnisse

Achte also darauf, ob dein Kind sich entspannt zeigt, wenn du den Schnuller immer mal wieder in seinen Mund gibst

Wie schnell oder gut ein Schnuller angenommen oder abgelehnt wird, hängt auch von der Schnullerform ab. Und hier treffen wir nun auf das nächste Streitthema. 

Rund versus flach, Kirschenorm versus kiefergerechter Form und so weiter.

Bei der runden- oder auch Kirschenorm, wird oft betont, es käme zu weniger Saugverwirrungen. Er wird außerdem oft als natürliche Form benannt. Wenn wir uns jedoch bewusst machen, dass das Kind beim Stillen gar nicht nur vorne auf der runden Brustwarze saugt, sondern bestmöglich viel mehr Brust im Mund hat - alle stillenden Frauen können hier bestätigen, wie schmerzhaft es sein kann, wenn das Kind nur vorne an der Brustwarze saugt (!!) - wird schnell deutlich, dass von einer natürlichen Form eher weniger gesprochen werden kann. 

Die flachen Schnuller werden auch kiefergerechte Schnuller genannt. Sie verformen die Zähne und den Kiefer am wenigsten. Ganz allgemein rate ich daher eher zu den kiefergerechten Formen. Je schmaler dabei der Schaft ist - also der schmale Teil direkt hinter dem Schild, desto besser! Insgesamt sind die kiefergerechten Schnuller in den letzten Jahren immer flacher geworden. 

Doch genauso, wie bei der Frage, ob überhaupt ein Schnuller - oder nicht, 

ist auch die Wahl der Form nicht für alle Kinder gleich zu beantworten: 

Hat dein Kind z.b. einen sehr hohen Gaumen, solltest du unbedingt einen flachen Schnuller wählen. Ein runder Schnuller würde sich wirklich schön dieser hohen Rundung des hohen Gaumens anpassen - dein Kind würde das wahrscheinlich sogar sehr gut finden - jedoch sollte der Gaumen unbedingt die Möglichkeit bekommen, sich abzuflachen. Und dabei könnte ein flacher Schnuller sogar helfen. Es könnte in diesen Fällen also sogar medizinisch-therapeutisch sinnhaft sein, einen Schnuller anzugewöhnen - unabhängig vom Saugbedürfnis. Ein zu hoher Gaumen könnte nämlich u.a. zu Aussprachestörungen führen. Es gibt bestimmte Laute, für die es wichtig ist, dass die Zunge oben den Gaumen berühren kann. Und wenn der Gaumen so hoch ist, dass das für die Zunge schwierig wird - manchmal kombiniert mit einem kurzen Zungenbändchen - dann haben wir eine Schwierigkeit in Bezug auf die Aussprache, die auch sprachtherapeutisch so nicht einfach zu lösen ist. Weil es um anatomische Voraussetzungen geht! Ich werde auf jeden Fall auch noch einmal eine Folge zum kurzen Zungenbändchen machen!

Du merkst, es gibt hier tatsächlich nicht nur Schwarz und Weiß. 

Folgendes ist aus sprachtherapeutischer Sicht natürlich unglaublich wichtig: 

Lass dein Kind möglichst nicht mit dem Schnuller im Mund sprechen. 

Meine Empfehlung ist, dass ihr als Eltern von Anfang an eine klare Regel für den Schnuller entwickelt. Es gibt ihn z.b. nur zum Schlafen. Wenn das Kind gerade nicht schläft oder ausruht, könnte der Schnuller an einen bestimmten Platz gelegt werden. Eine kleine Schachtel, ein Glas o.ä.. Wenn dein Baby erst ein paar Monate alt ist, scheint dies möglicherweise noch nicht so relevant zu sein. Beginne jedoch unbedingt schon so früh wie möglich mit diesem Ritual. Erstens wirst du selber dich dann eher immer daran halten und zweitens wird es für dein Kind absolut normal werden - sozusagen zum Schnuller dazu gehören. Fängst du erst später mit diesem Ritual an, kann es sehr schwer sein, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. 

Natürlich gibt es auch hier wieder mehr als nur Schwarz und Weiß. Ist dein Kind z.b. krank, kann es sein, dass der Schnuller mehr gebraucht wird, als nur zum Schlafen. Kommuniziere dies dann ruhig. Du könntest so etwas sagen wie, "mmm, heute gibt es Schnuller-Ausnahmen" oder "heute ist mal ein Schnuller-Tag, das gibt es ja sonst nicht".

Und dann kommt er zwangsläufig - der Moment den Schnuller wieder loszuwerden!

Der Abschied vom Schnuller ist für viele Familien eine große Herausforderung. Es gibt zahlreiche kreative Möglichkeiten, diesen Übergang zu gestalten, von der Schnullerfee bis hin zu symbolischen Abschiedsritualen. 

Hier könnt ihr euch als Familie völlig ausleben. Schnuller an einem Luftballon davon fliegen lassen, Schnuller zur Mülldeponie fahren, Schnuller an ein kleineres Baby weitergeben ... was könnte zu deinem Kind passen? 

Es kann dann Zeitpunkte geben, zu denen dein Kind den Schnuller sehr gut und geradezu leicht abgeben kann. Und dann kann es Phasen geben, wo der Schnuller vielleicht ganz ganz wichtig ist. Beobachte dein Kind da gut. Achte auf die Phasen, die dein Kind natürlicherweise sowieso durchlebt. Macht es gerade einen Entwicklungsschritt, klammert es gerade viel, startet ihr mit der Eingewöhnung in der Krippe oder Kita oder bleibt nun erstmals der Mittagsschlaf weg... In all diesen Situationen warte lieber noch etwas mit der Schnuller-Entwöhnung. Es kommt hier wirklich nicht auf Tage an. 

Die folgende kleine Anekdote verdeutlicht dies: 

Ein zweieinhalbjähriges Kind bastelte einen Brief für die Schnullerfee und ließ diesen 4 ganze Monate im Regal liegen. Erst nach diesen 4 Monaten nahm das Kind den Brief am Abend mit ins Schlafzimmer und sagte: "Heute Nacht kann die Schnullerfee kommen!" Und du ahnst es schon - das Kind trauerte seinem Schnuller von da an keinen Tag hinterher. Weil es selbst soweit war! Natürlich kannst du nur in einem gewissen Rahmen darauf warten, dass dein Kind selbst soweit ist, den Schnuller abzugeben. Denn stellen wir uns ein Kind vor, dass erst mit 5 oder 6 Jahren an diesem Schritt angekommen ist, solltest du unbedingt früher selbst intervenieren.

Wenn dein Kind dann das erste Mal ohne Schnuller einschlafen soll, ist der beste Abend natürlich einer, an dem dein Kind so richtig schön müde und entspannt ist.

entspannt und gut schlafendes Kind ohne Schnuller in einem weichen Bett

Ja, und nun komme ich noch einmal darauf zurück, dass auch ältere Kinder, die vielleicht schon mehrere Jahre keinen Schnuller mehr haben oder nie einen hatten, ein Saugbedürfnis oder anderes orales Bedürfnis verspüren können. 

Wann immer du bemerkst, dass dein Kind, sei es 3, 4, 5 oder 6 Jahre alt, wieder vermehrt Dinge in den Mund nimmt, am Ärmel nuckelt, vielleicht auch auf den Fingernägeln kaut, biete ihm etwas Geeignetes an. 

Denn das Bedürfnis zu ignorieren kann eher dazu führen, dass sich eine unerwünschte Gewohnheit manifestiert! 

Du könntest vermehrt Angebote für die Hände, die Füße und den Mund machen. Diese drei Körperregionen hängen sehr eng miteinander zusammen. Fuß- und Handmassagen, beim Eincremen etwas mehr im Gesicht massieren, als sonst, beim Wachsen die Hände und Füße etwas mehr stimulieren, als sonst. Lass' dein Kind rohe Karottenstücke kauen und macht Mundmotorikspiele

Wenn du hierzu noch mehr Tipps brauchst, hol dir sehr gerne meinen Mundmotorik-Guide für 0€. Darin findest du unglaublich viele Ideen für die Mundmotorik & Mundraumwahrnehmung.. Alles immer ganz entspannt in den Alltag integriert - damit ihr eure Alltagsmomente der Sprachförderung genießen könnt. Bis zum nächsten mal. Ich hoffe es hat euch gefallen und inspiriert.

]]>
https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/schnuller-ja-oder-nein/feed/ 0 https://www.sprachify.de/favicon.ico https://www.sprachify.de/favicon.ico
5 typische Fehler vermeiden: Tipps zur Sprachförderung https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/sprachfoerderung-typische-fehler/ https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/sprachfoerderung-typische-fehler/#comments Thu, 16 Sep 2021 08:00:00 +0000 https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/sprachfoerderung-typische-fehler/ Weiterlesen

]]>
In dieser Folge spreche ich über 5 typische Fehler in der Kommunikation mit Kindern. Ich erkläre, warum es wichtig ist, das Kind nicht nachsprechen zu lassen, es nicht für falsche Aussprache zu tadeln und nicht immer eine verbale Antwort zu erwarten. Außerdem betone ich, dass das Gefühl des gezielten Wortübens vermieden werden sollte und dass Kinder keine Absicht haben, Dinge falsch auszusprechen. Es ist normal, Fehler zu machen! Und es ist genial, dann daraus zu lernen.

Mutter und Kind in völlig vertrauter und fröhlicher Situation. Das Kind auf dem Arm der Mutter. Beide kommunizieren ausgelassen, lachen und Sprachförderung wird ein leichtes.

Wer lieber liest 👇🏼 hier der Text zur Folge:

Heute spreche ich über 5 typische Fehler, die in der Kommunikation mit Kindern entstehen. 

Es handelt sich um Reaktionen der Bezugsperson, die nicht förderlich für die sprachliche Entwicklung des Kindes sind. 

Manchmal ertappen wir uns selbst dabei, dass wir immer wieder die selben Fehler machen. Das ist menschlich! Wenn du also bei dieser Folge bemerken solltest - "ups, ja, so habe ich auch schon reagiert" - Dann feier dich! Undzwar dafür, dass du es bemerkt hast. Das ist großartig und IMMER der erste Schritt für Veränderung 🥳

Für mich ist die Sprachentwicklung von Kindern ein Herzensthema und dabei weiß ich, dass Eltern oder andere enge Bezugspersonen einen unglaublich hohen Einfluss auf diese Entwicklung haben. Beachtest du als Bezugsperson also diese 5 Fehler, ist ein großer Schritt in Richtung sprachförderliche Kommunikation und Sprachbildung gemacht. Da sag ich dann WOW! 

Und worum geht es mir nun genau? Es geht u.a. 

  • um das Nachsprechen, 
  • um Erwartungen, die du möglicherweise hast und vermittelst. 
  • Es geht auch um nonverbale Kommunikation 
  • und vieles vieles mehr. 
Ganz konkret zeigt dir diese Folge also, welche Stellschrauben du in deiner eigenen Sprache noch drehen kannst, damit du die Sprachentwicklung deines Kindes anstatt zu behindern, optimal begleiten kannst.

Typischer Fehler Nummer 1 entsteht, wenn das Kind nachsprechen soll. 

Ein Kind sagt z.b. "da, Ba" und die erwachsene Bezugsperson antwortet sowas wie "da ist ein Ball. Sag mal Ball." Vielleicht fragt sie auch noch "kannst du Ball sagen?". Und genau das bedeutet Druck für das Kind und hat nichts mit einer zugewandten Kommunikation oder Unterstützung der Sprachbildung zu tun. Stattdessen könntest du antworten "oh ja, da ist ein Ball". Am allerwichtigsten ist, dass du die Äußerung des Kindes positiv aufnimmst und der Inhalt im Vordergrund steht. Inhalt geht vor Form könnte man hier auch ganz kurz und knackig sagen. 

Es ist also völlig egal, ob dein Kind jetzt direkt korrekt Ball sagt. Es ist viel wichtiger, dass du deinem Kind verdeutlichst, dass du es verstanden hast und ihr nun gemeinsam über einen Ball sprecht. Nur so kann die Sprechfreude des Kindes aufrecht erhalten bleiben. 

Das du nicht nur mit "oh ja", sondern mit "oh ja, da ist ein Ball" geantwortet hast, ist außerdem sehr entscheidend! Denn du hast damit das so genannte Protowort deines Kindes - "Ba" für "Ball" - aufgenommen und korrigiert noch einmal wiedergegeben. So lernt das Kind nach und nach, dass es Ball und nicht Ba heißt. Dieses Lernen ist jedoch ein innerer Prozess des Kindes, den du nur verlangsamst, wenn du ganz genau nachhakst mit "kannst du Ball sagen?". 

Merke dir also vor allem: Inhalt geht vor Form! 

Ganz besonders wichtig ist das bei Kindern bis ca. 3 Jahren. 

Der 2. typische Fehler entsteht, wenn Eltern ihr Kind für eine falsche Aussprache tadeln bzw. eine negative Rückmeldung geben. 

Das Kind sagt "da Ba" und erhält als Antwort "nein falsch, das heißt Ball" oder "du kannst das doch, gib dir nochmal mühe" oder "konzentrier dich nochmal". All dies sind absolut hemmende Äußerungen der Bezugsperson. Hier ist von zugewandter Kommunikation keine Spur mehr. 

Vielleicht denkst du jetzt "sowas würde ich nie sagen" - gut so. Und trotzdem passiert es manchmal. Dafür sind wir Menschen! Je bewusster wir mit unserer eigenen Sprache umgehen, desto besser! 

Der 3. typische Fehler entsteht, wenn du IMMER auf eine verbale Antwort deines Kindes bestehst. 

Du möchtest z.b., dass dein Kind immer sprachlich antwortet - und nicht z.b. mit Zeigen oder anderen Gesten. Solche Gesten können ja Kopfschütteln oder Nicken sein. Vielleicht denkst du "je mehr ich mein Kind zum Sprechen bewege, desto besser". Und ich sage dir als Sprachtherapeutin: leider nein! Worte aussprechen alleine macht noch keine komplette Sprachentwicklung aus. Es gibt verschiedene Ebenen der Sprachentwicklung. Und zu verstehen, wann nonverbale Kommunikation passt - und wann nicht, ist eine Kompetenz. Und diese ist ganz wichtig für dein Kind zu lernen. Ein sprechlernendes Kind versteht sehr schnell, welche nonverbalen Signale angemessen sind und sozusagen als vollwertige Kommunikation gelten! 

Beobachte dich bitte einmal aus Spaß selber: wie oft nickst du, winkst du, zeigst, schüttelst den Kopf und sprichst dabei gar nicht oder kaum? Wichtig ist nur der Kontext! Du selbst wirst rein nonverbale Kommunikation immer nur dann anwenden, wenn der Kontext diese auch verständlich macht. Wenn du einfach so nickst, ist völlig unklar, was das soll. Stellt dir jedoch jemand eine ja-nein-Frage, ist dein Nicken absolut angemessen. Was drum-herum in der Kommunikation geschieht - der Kontext - macht also den Unterschied. Hältst du also z.B. deinem Kind Wasser und in der anderen Hand Saft hin und fragst "möchtest du Wasser oder Saft?" ist es total kontextangemessen, wenn dein Kind nur auf das Getränk zeigt, das es möchte. Ein Nachhaken wie "sag es mal, was möchtest du denn" oder "dann sag doch Saft" oder "wieso sagst du dann nicht Saft?" oder auch "was denn nun, Wasser oder Saft?" - so als hätte das Kind sich noch nicht entschieden - nur, weil es das Wort nicht sagte, sondern nur darauf zeigte, ist nicht förderlich. Dabei hat es völlig korrekt geantwortet. Nonverbal! Und es hat eine Kompetenz gezeigt. Es hat gezeigt, dass es verstanden hat: in dieser Situation kann mein Gegenüber mich verstehen, auch, wenn ich nur zeige.

Möchtest du, das dein Kind mehr spricht, halte ihm die Getränke nicht hin, stelle sie außer Sichtweite und frage dann "möchtest du Wasser oder Saft?". Wichtig ist hierbei natürlich, dass dein Kind schon "Wasser" oder "Saft" sagen kann - oder zumindest ein Protowort dafür (z.B. "Wawa" für Wasser). 

Wenn dein Kind das, was du ihm anbieten möchtest, oder wonach du fragen möchtest, noch nicht sprechen kann, bleibe ruhig bei der Variante, dass du ihm beides zeigst oder hinhältst. So kann - dank der nonverbalen Kommunikation - ein Erfolgserlebnis für dein Kind entstehen. Es hat die Chance sich ganz alleine zu entscheiden, dies mitzuteilen und lernt, dass Kommunikation sinn macht. Die unglaublich wichtige Kommunikationsfreude wird dabei gestärkt

Wenn du diese Variante gewählt hast, weil dein Kind Wasser oder Saft noch nicht sagen kann, kannst du selbst dazu sagen "alles klar, du möchtest den Saft" oder sowas wie "ok, den Saft". Damit unterstützt du dann die Wortschatzentwicklung deines Kindes. Denn es wird nach und nach lernen: aha, diese Sache, die ich da haben möchte, heißt Saft. Sprachliche Bildung ist eine Fähigkeit, die dein Kind fast gänzlich alleine schafft. Aber eben nur fast - deine Sprache hat einen großen Einfluss!

Der 4. typische Fehler entsteht, wenn du deinem Kind das Gefühl vermittelst, dass ihr nun gezielt Wörter übt. 

Kinder eignen sich Sprache immer im Spiel und im Umgang mit ihrer Umwelt und anderen Menschen an. Im handelnden Miteinander, also in dem Moment, wenn sie mit anderen interagieren - oder mit der Umwelt. 

Setzt dich also nicht z.b. mit Bildkarten o.ä. mit deinem Kind hin und versuche diese nun zu üben. Spiele stattdessen viel mit ihm und nutze deinen eigene Sprache. Kinder verarbeiten im Spiel ihre eigene Wirklichkeit, bauen sich eigenen Welten und verarbeiten erlebtes, Gefühle und Gedanken. 

Verkleidete Kinder, z.B. als Indianer, spielen ausgelassen, fröhlich im Wald. Das Kinderspiel ist das beste Mittel zur Sprachförderung.

Das Spiel ist DAS Mittel, um mit Kindern zu interagieren. 

Als Sprachtherapeutin habe ich den Eltern immer gesagt: wenn ihr Kind nach der Therapie sagt, es habe nur gespielt - dann habe ich ALLES richtig gemacht.

Gehe selber dabei auf das Spiel ein, das von deinem Kind kommt. Nur so kannst du sicher sein, dass du es "da abholst, wo es gerade steht". Wenn du z.B. einem Dreijährigen ein Brettspiel anbietest, wird es davon nicht viel haben. Bietet das Dreijährige aber von sich aus an mit Memory-Karten irgendeine lange Schlange auf dem Boden zu bauen - dann macht ihr das. Und das tolle ist ja, dass das natürliches Spielen immer gleichzeitig alltagsintegrierte Sprachförderung ist. 🥳

Spielerische Interaktionen sind immer ein natürlicher Weg, um Sprache zu lernen und zu festigen.

Ich merke, eine Folge von mir zur Spielentwicklung von Kindern könnte spannend sein. Das kommt auf meinen Plan 😊

Der 5. typische Fehler entsteht, wenn davon ausgegangen wird, das Kind sage oder mache mit Absicht etwas falsch. 

Selbst wenn du bestimmte Worte bereits korrekt von deinem Kind gehört hast, kann es sehr gut sein, dass es diese noch oft falsch ausspricht. Das ist normal! Dein Kind wird nicht mit Absicht Dinge falsch aussprechen - schon gar nicht, um dich zu ärgern! 

Um das alles noch einmal zusammenzufassen, solltest du also auf diese 5 Reaktionen von dir achten, um die Sprachentwicklung deines Kindes nicht zu behindern: 

  1. Lass das Kind nicht nachsprechen (Beispiel: "Sag mal Ball").
  2. Tadele dein Kind nicht für falsche Aussprache (Beispiel: "Nein, falsch, das heißt nicht Ba, das heißt Ball!").
  3. Verlange nicht grundsätzlich eine verbale - also ausgesprochene - Antwort, wenn der Kontext - also das Drum-herum der Kommunikation - eine nonverbale Antwort legitmiert.
  4. Vermittele deinem Kind nicht den Eindruck, dass ihr nun gezielt Wörter übt. Spiele stattdessen ganz natürlich mit dem Kind.
  5. Gehe nicht davon aus, dein Kind sage mit Absicht etwas falsch. Du würdest in diesem Fall immer negative nonverbale Signale senden, die dein Kind spürt. Und in dem Moment, wenn dein Kind das spürt, wird zwangsläufig die Sprechfreude des Kindes sinken. Und das wollen wir niemals. 

Also, nach wie vor:

Manchmal wissen wir gar nicht, dass wir einen Fehler begangen haben. Das ist menschlich!

Und dies zu betonen ist mir ganz wichtig!

Mache dir also IMMER klar: 

Du bist eine wundervolle Mama, du bist ein wundervoller Papa, Erzieher*in, Oma, Opa oder was auch immer.

Ich weiß, das Eltern nur das Beste für Ihre Kinder wollen. Diese Grundeinstellung steht hinter allem, was ich je mit Menschen erarbeitete. Es geht also niemals darum, Eltern mit dem erhobenen Zeigefinger zu kritisieren. Deshalb sage ich: Du darfst Fehler machen! Denn daraus kannst du dann so wunderbar lernen! 

Und damit bin ich auch schon am Ende und danke dir für's Zuhören und/oder Lesen. Ich hoffe es hat dir gefallen und dich inspiriert. Wenn du Fragen hast, schreib mir gerne unter info@sprachify.de, besuch meine stetig wachsende Seite www.sprachify.de oder mein Instagram-profil: @sprach.blidung. Bis zum nächsten mal bei "Alltagsmomente der Sprachförderung".

]]>
https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/sprachfoerderung-typische-fehler/feed/ 3 https://www.sprachify.de/favicon.ico https://www.sprachify.de/favicon.ico
Spielerische Kommunikation: verbales und nonverbalen Zaubermittel! https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/spielerische-kommunikation/ https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/spielerische-kommunikation/#comments Thu, 16 Sep 2021 08:00:00 +0000 https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/spielerische-kommunikation/ Weiterlesen

]]>
In dieser Folge spreche ich über die Tücken der verbalen und nonverbalen Kommunikation und habe Tipps, schwierige Situationen spielerisch zu versprachlichen. Dafür gebe ich dir ein paar echte Zaubermittel.


photo 1602863211757 cfe6454947fe?crop=entropy&cs=srgb&fm=jpg&ixid=M3wxOTg1NDZ8MHwxfHNlYXJjaHw2Mnx8Y2hpbGRyZW58ZW58MHx8fHwxNzE0Mjk5ODMxfDA&ixlib=rb 4.0

Wer lieber liest 👇🏼 hier der Text zur Folge:

Kennst du das auch, Hektik am Morgen, dein Kind ist noch müde, das Anziehen wird zu einer Auseinandersetzung, die Zeit sitzt dir im Nacken, der Stress nimmt zu und am Ende fühlt ihr beide - du und dein Kind - euch nicht gut damit, wie dieser Tag startete. 

Puh, welche Eltern kennen das nicht! Also ICH kenne es! 

Und was das jetzt mit dem Thema Sprachförderung zu tun hat erzähle ich dir: Sprache hat immer Macht. 

Das heißt, dass es IMMER etwas bedeutet, WIE wir etwas sagen und was wir sagen. Und damit meine ich nicht nur die inhaltliche Botschaft, die wir transportieren, sondern auch alles, was dahintersteht. Die Stimmung, das Gefühl, Sehnsüchte, Ängste, Wünsche, Erwartungen, Schuldzuweisungen. All das transportieren wir in unserer Kommunikation mit - mal mehr und mal weniger bewusst. Stell dir einen Eisberg vor: was du über der Wasseroberfläche siehst, ist nur ein ganz kleiner Teil des Eisbergs. Vielleicht 20%. Der viel größerer Teil des Eisberges liegt unter der Wasseroberfläche. Denk an die Titanic 🚢 ... Hätte der Kapitän das mit den 80% damals gewusst, hätte es später keinen Film gegeben. 

Was du also kommunizierst, kann einfach gesagt in zwei Bereiche unterteilt werden. 

  1. Das, was unmittelbar hörbar ist - was du inhaltlich sagst. Z.B. "es ist spät, zieh dich an." 
  2. Und das, was du nicht direkt sagst, jedoch trotzdem sendest. Alles, was nicht sachlich und verbal, also mit Worten, kommuniziert wird. Deine Stimme, dein Tonfall, dein Gesichtsausdruck, deine Körperhaltung, deine innere Intention, warum du dieses oder jenes sagtest, sogar unterbewusste Gefühle. 

All dies ist der wesentlich größere Teil der Kommunikation. DAS sind die 80%, die unter der Wasseroberfläche liegen. Also der weitaus bedeutsamere Teil. 

Je nach Tonfall, Körperhaltung etc. wird aus dem "es ist spät, zieh dich an" also ein "immer trödelst du, du bist schuld, dass es stressig geworden ist" oder ein "warum kann es nicht einmal entspannt am Morgen zugehen?!". Selbst wenn du diese Botschaften so nicht senden wolltest, kann es sein, dass dein Kind sie so auffasst. 

Manchmal bemerken wir selbst unsere inneren Sorgen, Ängste, Erwartungen oder auch Wünsche gar nicht, senden sie jedoch trotzdem. 

80% sind gar nicht direkt gesagt worden und dennoch sind sie das, was am meisten beim Gegenüber ankommt! 

Dann ist es ja egal, was ich sage, es kommt nur darauf an, wie ich es sage, oder? NEIN! 

  • Erstens ist das verbal geäußerte Wort ja immerhin noch 20% und nicht Null wert. 
  • Und zweitens gibt es einen echten Zaubertick: sobald du dich selbst mit einigen wenigen Gedanken, Worten, Mimik oder Körperhaltung in eine bestimmte Stimmung versetzt, wird dein ganzer Körper mitziehen. 

Ziehe z.B. bewusst deine Mundwinkeln etwas nach oben (wie beim Lächeln), mache deinen Rücken gerade und sage ein positiv besetztes Wort. Der Rest deines Körpers wird mitmachen! Du kannst ihn damit in eine positive Stimmung versetzen und dies wird dann natürlich (als die 80% des Eisbergs) bei deinem Gegenüber ankommen. Ursprünglich geht das Eisbergmodelle übrigens auf Sigmund Freud zurück.

Wir sind also bei unserem stressigen Morgen: in 30 Minuten müssen wir los.

Das Kind zur Kita bringen und dann selbst arbeiten, zu einem Termin oder wieder nach Hause und gefühlt Tausendmillionen Aufgaben erledigen.

Hier hilft dir nun der Zeitfresser - ein kleiner Kobold, der Zeit stibitzt.

Wenn es der Zeitfresser ist, der Schuld an der stressigen Situation hat, wird deine Kommunikation deinem Kind gegenüber völlig automatisch zugewandter und entspannter! Und das ist von so großer Bedeutung! Alleine dieser Aspekt wird die Situation entschärfen. Auch deine Sätze können sich zauberhaft verändern. Aus "wenn du dich jetzt nicht anziehst, kommen wir zu spät", wird dann z.B. "der Zeitfresser hat unsere Zeit stibitzt - dieser kleine freche Kobold! - komm, wir beeilen uns, dann kann er nicht noch mehr Zeit klauen".

  • Erstens ist das Gesagte (die 20%) nun deutlich positiver formuliert, es findet keine Schuldzuweisung statt, das Kind wird nicht unter Druck gesetzt.
  • Zweitens entsteht eine spielerische Kommunikation. Und Spiele entspannen IMMER - JEDEN! Du selbst wirst also entspannter und dein Körper, deine Stimme, deine Gefühle - die 80% - werden mitziehen.Mutter mit zwei Kindern in einer spielerischen und fröhliche Kommunikation. Sie sitzen in der Natur, haben Körperkontakt und sind sehr harmonisch miteinander. Spielerische Kommunikation steht im Vordergrund

Dieser Zaubertrick heißt also: wann immer es stressig wird, Auseinandersetzungen unvermeidbar scheinen, einer von euch wütend wird, agiere spielerisch. 

Kommuniziere spielerisch. 

Der Zeitfresser ist hier nun eine von vielen Möglichkeiten. Denken wir an ein anderes Beispiel, an eine Situation, die für viele Eltern zu Auseinandersetzungen führt: das Kind hat Schnupfen. Es will keine Nase mehr schnauben, weil die schon total rot ist und seit drei Tagen ständig die Nase geschnaubt wird. Nasenspray oder eine Salzwasserlösung will das Kind schon gar nicht! Du weißt aber, dass all dies wichtig ist, um den Schnupfen leichter los zu werden. Stress und Auseinandersetzungen - eine angespannte Kommunikation - sind vorprogrammiert. Hier kann dir der Zeitfresser nicht weiterhelfen, wohl aber Schlimm und Schlamm. Diese zwei Schlingel haben es sich in der Nase deines Kindes gemütlich gemacht und bauen da schön Schleim an. Eine Schleimrutsche und eine Schaukel, ganz gelb und grün, haben sie schon gebaut. Sorry, wenn das für dich ekelig klingt. Ich habe jedoch schon sooo viele Kinder zum Nase schnauben bringen können, wenn ich derart mit ihnen darüber sprach. 

Diese Rutsche wird jetzt ins Taschentuch geschnaubt. Meistens wollen die Kinder das dann im Taschentuch auch sehen. Zeig es ihnen ruhig. Tabuisiere es nicht. Ekel ist etwas, das uns antrainiert wird. Dein Kind wird es sehr wahrscheinlich nicht ekelig finden, sondern spielerisch damit umgehen und sich auf jedes neu herausgeschraubte "etwas" freuen. "Mama, was hab ich jetzt ausgeschraubt?" wird als Frage kommen. Dann kann die Salzwasserdusche die Schleimrutsche runtersausen. Hier meine ich natürlich ein Nasenspray mit Salzwasserlösung. 

Die ganze stressige und nervenaufreibende Situation wird zu einem Spiel. 

Und schon wird deine Kommunikation positiver, entspannter, zugewandter. Alleine dieser Umstand würde bereits dazu führen, dass dein Kind eher tut, was du von ihm möchtest. 

Die freudige Spannung, was Schlimm und Schlamm nun wieder bauen wollen oder was ihr herausgeschnaubt habt, wird sein Übriges tun. 

Natürlich überlegst du dir eine andere spielerische Variante, sobald du merkst, dass dein Kind sich vor Schlimm und Schlamm fürchtet. 

Das Gleiche machen viele Eltern mit Karius und Baktus. Mit Hilfe dieser zwei Schlawiner bringen sie ihre Kinder dazu, ihre Zähne zu putzen. Doch kommuniziere sie nie als Drohung: "wenn du deine Zähne nicht putzt, kommen Karius und Baktus". Stattdessen genauso spielerisch und entspannt: "mal sehen, ob Karius und Baktus schon einziehen wollen ... oh, ich glaub' da ist schon eine Socke versteckt, die putze ich jetzt raus" (wenn dein Kind selbst putzt: "...die putzt du jetzt raus"). Kleines Nebenthema: sprich konkret von ICH und DU, je nachdem, wer die Zähne putzt, anstatt von WIR

Zähneputzen wird zu einem Spiel und es wird spannend sein, was heute herausgeputzt werden kann. Es geht also nicht um Angst und Drohung und ein Abschieben der Verantwortung im Sinne von "wenn du nicht putzt, dann kommen Karius und Baktus", sondern um die spielerische Kommunikation in der Situation. 

Da ich nicht nur Sprachtherapeutin und Diplom-Pädagogin bin, sondern auch Mutter, kann ich dir sagen: 

Bei uns funktionieren all diese Zaubertricks besser, als ich je zu träumen wagte! 

Alle sind entspannter, alle haben mehr Spaß! 

Wenn du mehr Tipps rund um das Thema Sprachförderung entdecken möchtest, abonniere sehr gerne meinen Podcast. Unter info@sprachify.de kannst du mir auch Fragen stellen oder dir ein bestimmtes Thema wünschen. Ich danke dir für's Zuhören/Lesen. Bis zum nächsten Mal bei 'Alltagsmomente der Sprachförderung'. 

]]>
https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/spielerische-kommunikation/feed/ 3 https://www.sprachify.de/favicon.ico https://www.sprachify.de/favicon.ico
So hilft Vorlesen deinem Kind beim Sprechenlernen https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/dialogisches-bilderbuchlesen/ https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/dialogisches-bilderbuchlesen/#comments Thu, 16 Sep 2021 08:00:00 +0000 https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/dialogisches-bilderbuchlesen/ Weiterlesen

]]>
Stell dir vor, du sitzt gemütlich mit deinem Kind auf dem Sofa, ein buntes Bilderbuch in der Hand. Ihr blättert zusammen die Seiten um und entdeckt gemeinsam die Geschichten und Bilder. Doch anstatt nur vorzulesen, beginnst du, Fragen zu stellen und dein Kind zum Mitmachen zu animieren. Das ist dialogisches Bilderbuchlesen.


Wer lieber liest: hier der Text zur Folge 👇🏼

Vorteile des dialogischen Bilderbuchlesens

Beim dialogischen Bilderbuchlesen geht es darum, dass nicht nur die Eltern oder Erzieher*innen vorlesen, sondern dass ein echter Dialog entsteht. Das Kind wird zum Mitsprechen und Mitdenken angeregt.

Stell dir vor, wie dein Kind mit großen Augen das Buch betrachtet und begeistert auf die Bilder zeigt. Durch das gemeinsame Entdecken und Besprechen wird die Sprachentwicklung spielerisch gefördert.

Kind, etwa 3 Jahre alt, hält ein Buch in der Hand und blickt begeistert, erstaunt und belesen. Verweis darauf, dass dialogisches Bilderbuchlesen die Sprachentwicklung fördert.

Studien zeigen, dass Kinder, mit denen regelmäßig dialogisch gelesen wird, einen größeren Wortschatz entwickeln und bessere sprachliche Fähigkeiten aufweisen. Es fördert nicht nur die Sprachentwicklung, sondern auch die kognitive und soziale Entwicklung.

Tipps für das Dialogische Bilderbuchlesen

Schaffe zunächst eine passende Atmosphäre. Vielleicht kuschelt ihr euch gemütlich auf das Sofa, vielleicht hast du das Kind auf dem Schoß. Entweder hast du ein Buch ausgewählt, von dem du relativ sicher annimmst, dass es vom Kind gerne angesehen oder gelesen wird. Vielleicht kennst du das Lieblingstier des Kindes, nehmen wir Hunde als Beispiel, dann hast du möglicherweise ein Buch ausgewählt, in dem ein kleiner Hund ein Abenteuer erlebt. Super gut ist auch, wenn das Kind selbst ein Buch auswählt. 

Deine Aufgabe ist es außerdem, bereits im Vorhinein Bücher auszuwählen, die für das Alter des Kindes ungefähr passen. Und nur diese Bücher stehen dann zur Wahl. Mir ist es schon passiert, dass mein Kind ein Buch aussuchte, dass ich selbst noch gar nicht kannte, weil es z.B. mit dem großen Karton voller Bücher vom älteren Cousin kam oder - das war meist noch viel gravierender - von der lieben 80jährigen Nachbarin. Und dann fand ich das Buch absolut unpassend und musste andauernd im Kopf umformulieren. Im Häschenbuch der besagten lieben Nachbarin stand dann ungefähr sowas: "...und da bekam das kleine Häschen einen kleinen Klaps...". Auch kann ich die Conny-Bücher leider so gar nicht empfehlen! Im Gegenteil, ich finde sie absolut schlecht. Ganz ehrlich, ich frage mich bei vielen Kinderbüchern, wie man auf die Idee kommen kann, so zu schreiben! Aber das ist ein anderes Thema, ich schweife ab... Ich möchte dir aber noch Mut machen, dich vom Text des Buches zu lösen. Es ist völlig OK, wenn ihr selbst die Geschichte verändert! Es ist völlig OK, wenn du andere Worte einsetzt oder ganze Teile auslässt! Wenn du mitten im Vorlesen bist und dein Kind plötzlich etwas auf der Seite entdeckt hat, über das es sprechen möchte - jaaaaaa, jippi!!! - genau darum geht es. Lass dein Kind das Buch oder die Geschichte entdecken und gehe dann auf das ein, was dein Kind da so spannend findet. Lass den von dir eben noch angefangenen Text dann ruhig links liegen. 

Es geht beim dialogischen Bilderbuchlesen in erster Line darum, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen - und nicht darum, tatsächlich genau das zu lesen, was da steht!

Du hast also eine gemütliche und ruhige Atmosphäre geschaffen, ihr habt ein gutes Buch ausgesucht 

Dann kann es losgehen. Alles was du nun mit dem Kind und dem Buch machst, soll zu einem Gespräch zwischen euch werden. Du liest das Buch nicht einfach nur vor. Stattdessen stellst du Fragen, ermutigst das Kind selbst zu erzählen oder Dinge zu entdecken. Je nach Alter des Kindes kann es sein, dass ganze Geschichten entstehen oder Lautmalerei und Geräusche oder Zeigegesten. Ein vierjähriges Kind kann eine Geschichte bereits weiterdenken und ist auch in seinem Wortschatz und seiner Grammatik soweit einwickelt, dass es eine komplette Geschichte erzählen kann. Es kann völlig altersentsprechend z.B. noch zu Ungenauigkeiten mit der Mehrzahlbildung kommen, wodurch die Geschichte jedoch nicht weniger verständlich wird. Auch sind einzelne schwierige Laute, wie das "sch", oder schwierige Lautverbindungen, wie "kn" oder "Br" manchmal noch ersetzt oder ausgelassen. Die Fähigkeit des 4-jährigen Kindes, die Geschichte in einem Buch nach- oder weiterzuerzählen ist jedoch bereits enorm. Schon die Zweieinhalb bis Dreijährigen fangen hier häufig an persönliche Erlebnisse mit einzubauen. So könnten z.B. bei einer Osterhasengeschichte die eigenen Erlebnisse zu Ostern vom Kind selbst eingebunden werden. Unter 2 Jahren werden die Kinder sich eher mit einem einzelnen Wort einbringen. Auch das Zeigen der Kinder ist hier wertzuschätzen und Teil eines Dialogs. Es muss also bei jüngeren Kindern nicht zwingend um das Aussprechen gehen. (Bei keinem Kind wird irgendwas erzwungen!) Zeigen ist bei den unter Zweijährigen absolut angemessen und Teil der Kommunikation. Geräusche wie ein Grunzen eines Schweines oder das "wau-wau" des Hundes, sind als Worte und wichtiger Teil der Kommunikation zu werten. Wenn das 15 Monate alte Kind mitmacht, indem es viel "da" äußert, ist das völlig altersentsprechend und kann von dir als Bezugsperson super aufgenommen werden. Im Buch ist vielleicht der Hund und spielt mit einem Ball. das 15 Monate alte Kind zeigt auf den Hund und sagt "da". Dann kannst du super antworten: "Oh ja, da ist der Hund." 

  1. Stelle offene Fragen: Anstatt nur zu fragen, 'Ist das eine Katze?', könntest du sagen, 'Was denkst du, macht die Katze dort?' oder 'Warum glaubst du, versteckt sich die Katze hinter dem Baum?'
  2. Biete Wahlfragen an: Zum Beispiel: 'Schau mal, wer könnte das sein? Ist das eine kleine Maus oder vielleicht ein Vogel?' So regst du dein Kind zum Nachdenken und Sprechen an, ohne es unter Druck zu setzen.
  3. Gehe auf die Interessen des Kindes ein: Wenn dein Kind besonders an Tieren interessiert ist, wählt gemeinsam Bücher mit vielen Tieren aus. Frag immer wieder nach den Vorlieben deines Kindes und integriere diese in eure Lesezeit.
  4. Erfindet eigene Geschichten: Ermutige dein Kind, eigene Geschichten zu den Bildern zu erfinden. 'Was denkst du, passiert als nächstes?' oder 'Was könnte die kleine Maus als nächstes machen?' So wird die Fantasie deines Kindes angeregt.
  5. Keine Korrekturen, sondern Wiederholungen: Wenn dein Kind etwas falsch sagt, korrigiere es nicht direkt. Wiederhole einfach die richtige Version in einem neuen Satz. Zum Beispiel, wenn dein Kind sagt, 'Die Hund läuft,' kannst du antworten, 'Ja, der Hund läuft ganz schnell!'

Ein Beispiel für den Alltag

Stell dir vor, du sitzt mit deinem Kind nach dem Frühstück noch ein wenig am Tisch (also mein Kind liebt es, noch auf meinen Schoß zu kommen, wenn sie selbst satt ist). Auf dem Tisch liegt ein Lieblingsbilderbuch des Kindes. Ihr seht es euch an und du fragst: 'Was glaubst du, warum hat der kleine Hase so große Ohren?' oder 'Was denkst du, wohin geht der Bär in dieser Geschichte?' So könnt ihr jede Situation nutzen, um mit Hilfe eines für das Kind interessanten Buches, Sprache zu fördern. Vor allem Wortschatz und Grammatik entwickeln sich extrem viel schneller, wenn Bilderbücher regelmäßig dialogisch gelesen werden. 

Papa mit Kleinkind auf dem Schoß, ein Bilderbuch in der Hand. Verdeutlicht, dass bereits mit sehr kleinen Kindern Bilderbücher dialogisch gelesen werden können.

Hab keine Angst, Fehler zu machen oder nicht die richtigen Fragen zu stellen. Das Wichtigste ist, dass du und dein Kind Spaß habt und gemeinsam eine schöne Zeit verbringt.

Sollte dein Kind sich nicht lange für ein Buch interessieren und z.B. nach einer Seite direkt wieder aufstehen, kannst du ein paar super einfache Tricks anwenden:

  • Nimm ein Auto (oder anderes kleines Spielzeug, mit dem das Kind gerne spielt) dazu und lass das Auto durch das Buch fahren. Wo hält es an? Was gibt es da zu sehen? Was macht das Auto denn nun? Besucht es jetzt den Bauernhof oder doch die Feuerwehr? Wen trifft es denn da? Lasse auch dein Kind das Auto fahren.
  • Nimm anstelle eines Bilderbuches ein Fotoalbum. Ja, ich weiß, wir haben alle nur noch digitale Fotos. Dann erstelle deinem Kind ein eigenes Fotoalbum. Ich habe meiner Tochter eines zu ihrem 3. Geburtstag gemacht und sie liebt es! Wenn Kinder Bilder von Orten, Gegenständen und Menschen sehen, die sie gut kennen und mit denen sie selbst etwas verbinden, können sie sich oft sehr lange damit beschäftigen. Du wirst sehen, ein Fotoalbum kann fesseln und zu sehr langen Gesprächen führen.
  • Kennst du diese Taschenlampenbücher? Die sind etwas geheimnisvoll und es ist spannend für Kinder, mit der Taschenlampe die Bilder zu entdecken. Bei diesen Büchern entsteht immer ein Gespräch, weil sie sowieso interaktiv sind.
Apropos interaktiv: TipToi Bücher oder andere "sprechende Bücher" ersetzen die dialogische Bilderbuchsitaution zwischen Kind und Bezugsperson NICHT!

Ich erinnere mich an viele schöne Stunden, die ich selbst mit meinem Kind beim Bilderbuchlesen verbracht habe - und die sicherlich noch viel mehr werden, weil mein Kind erst 3,5 Jahre alt ist. Diese Momente sind nicht nur wertvoll für die Sprachentwicklung, sondern auch für die Beziehung zu unseren Kleinen.

Dialogisches Bilderbuchlesen ist eine wunderbare Methode, um die Sprachentwicklung eines Kindes zu unterstützen. Es ist einfach, macht Spaß und stärkt die Bindung. Probiere es aus und genieße die wertvollen Momente mit deinem Kind.

Wenn du dann Fragen hast oder keine Lösung für dein Kind findet, dass immer sofort wieder aufsteht und ihr gar nicht zum Anschauen des Buches kommt, schreib mir gerne. Entweder per Mail unter info@sprachify.de oder bei Instagram. 👉🏻 Hier kommst du direkt zu meinem Profil.

Und jetzt wünsche ich dir viele viele schöne Bilderbuchmomente und danke dir für's Zuhören oder Lesen! Alles Liebe, Sonja!


]]>
https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/dialogisches-bilderbuchlesen/feed/ 5 https://www.sprachify.de/favicon.ico https://www.sprachify.de/favicon.ico
Alles, was du über's "Lispeln" wissen solltest https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/lispeln/ https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/lispeln/#comments Thu, 16 Sep 2021 08:00:00 +0000 https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/lispeln/ Weiterlesen

]]>
In dieser Folge spreche ich über das Lispeln - fachsprachlich ausgedrückt: über den Sigmatismus

Lispeln als Sprachfehler verstehen, erkennen & was dagegen getan werden kann!


photo 1594172104574 3b829faf2e28?crop=entropy&cs=srgb&fm=jpg&ixid=M3wxOTg1NDZ8MHwxfHNlYXJjaHwxfHx0b25ndWV8ZW58MHx8fHwxNzMwMTEzNzg2fDA&ixlib=rb 4.0
  • Variationen & wie Lispeln aussehen kann.
  • Ursachen, warum Kinder lispeln.
  • Ideen, Tipps & Strategien, um das Lispeln zu beheben.


]]>
https://www.sprachify.de/podcast-sprachfoerderung/lispeln/feed/ 3 https://www.sprachify.de/favicon.ico https://www.sprachify.de/favicon.ico